REPORTAGE 040

 
 

Nachdem ich in der letzten OKEY!-Ausgabe über einige weitere Theaterorgeln in den USA berichtet habe, die ich vor meinem Besuch des Rialto-Festivals erkunden konnte, möchte ich diesmal zu der eigentlichen Veranstaltung kommen.

Rialto Extravaganza – das Festival

Seit numehr vier Jahren organisieren die JATOE (Joliet Area Theatre Organ Enthusiasts) mit ihrer pompösen „Barton Grande Orgel“ im wunderschönen Rialto Theater ihr eigenes Theaterorgel-Festival - ein Festival voller Superlativen. Wie bereits erwähnt ist Ausgangspunkt ein Hotel am O’Hare Flughafen in Chicago. In bequemen Reisebussen wird man dann zu allen Destinationen gefahren.

Zum Beginn des Festivals gaben uns am Freitagnachmittag Martin Ellis und Barry Baker im Long Center Theatre in Lafayette (Indiana) ein Konzert auf der 3/21 Wurlitzer. Barry Baker ist noch sehr jung, aber gehört heute bereits zu den Toporganisten in den USA. Seine Performance war brillant. Das Abendessen wurde vor der Rückfahrt in einer Kantine serviert.
Am Samstagvormittag stand eigentlich ein Konzert im Hinsdale Theater auf dem Programm, das aber leider kurzfristig abgesagt werden musste. Es war irgendetwas mit der Versicherung nicht in Ordnung. Und da sind die Amerikaner wegen der Gefahr von Prozessen extrem vorsichtig. Als Ersatz präsentiert man uns in Mundelein (Illinois) Dave Wickerham auf der 4/23 Wurlitzer. Dave unterhielt uns mit vielen Titeln aus Musicals. Zum erstenmal habe ich erlebt, wie ein Spieler während eines Konzerts damit umgeht, wenn plötzlich ein Pfeifenton hängen bleibt. Es war ein sehr schriller Ton, welcher sicher den Spieler noch mehr irritierte als das Publikum, aber er hat stoisch weitergespielt, wie wenn nichts passiert wäre. Und er hatte Glück, denn nach einer Weile war es wieder vorbei. Es war jedenfalls ein sehr unterhaltsamer Samstagmorgen. Bereits am Nachmittag gab es ein vorgezogenes Buffet-Nachtessen im Union Railtoad Bahnhof von Joliet, um rechtzeitig für die grosse Abendveranstaltung im Rialto Square Theatre, Joliet (Illinois), fertig zu sein.
Dieses Konzert war auch für Publikum zugänglich, das nicht am Festival teilnahm, und das Theater mit seinen 1922 Sitzen war bis auf den letzten Platz besetzt. Auf dem Programm stand „Rialto Fest 99“, und es war auch wirklich ein Fest. Es ging los mit einer Publikums Dusche mit Lufballonen und endete mit einem echten Feuerwerk! (Ich nehme an, die lokale Feuerwehr war in Alarmbereitschaft.) Auf der Bühne standen die 4/27 Barton Grande (Bild links), ein Konzert Flügel, die George Wright Signature Allen Theater Orgel und eine klassische Allen Orgel, dahinter das 38 Mann starke Rialto Symphony Orchester. Was an diesem Abend alles geboten wurde, war einmalig. Abwechslungsreicher konnte es nicht mehr sein. Die drei Starorganisten Tom Hazelton (USA), Jonas Nordwall (USA) und Tony Fenelon (Australien) spielten abwechselnd auf der Barton und der Allen oder im Duett, oder auch zusammen mit dem Symphonieorchester. Tony Fenelon sowie Larry Dalton, Dirigent des Orchesters, brillierten mit pianistischen Einlagen auf dem Konzertflügel. Dann spielte wieder das Symphonieorchester im Big Band Stil guten alten Swing. Zwischendurch konzertierten zwei junge Mädchen, 14 und 16 Jahre alt, unglaublich virtuos auf Violine und Piano. Dario Vasquez, eine Jongleur-Sensation aus Las Vegas, gab genauso sein Bestes wie die Shirley Smith Dancers (18 girls), welche einen Ausschnitt aus der Weihnachts-Show in der Radio City Hall New York boten. Niemand wollte, dass dieser Abend zu Ende geht. Und nach allen Zugaben stand das Publikum immer noch eine Weile herum, weil niemand so recht glauben wollte, dass es nun doch wirklich zu Ende sei.
Dann ging es in der Lobby weiter. Denn die Leute strömten nicht einfach zum Ausgang, sondern verweilten noch mindestens eine Stunde zum Diskutieren, Fotografieren und unterhielten sich mit den Künstlern. Die tolle Festatmosphäre wollte nicht abbrechen. Und so war es fast Mitternacht, als unsere Busse zur Fahrt zurück zum Hotel nach Chicago aufbrachen.