REPORTAGE 044a

 
 

Während meiner Recherche nach Theaterorgeln in meinem Heimatland Schweiz bin ich auf etwas wirklich Kurioses gestossen. Ich hörte von einer Welte Orgel, die in einer Kapelle in der Nähe von Luzern installiert sein sollte.

Welte-Orgel in Kapelle

Für mich bedeutete „Welte“ immer Theater- oder Philharmonieorgel, in einer Kapelle hingegen erwarte ich normalerweise eine Sakralorgel. Also wollte ich bei nächster Gelegenheit dieses Kuriosum aufsuchen. Ich erfuhr, dass dort ein Sommerkonzert stattfinden sollte, genannt „Megger Schlossorgel-Zauber“, allerdings nur bei schönem Wetter, denn die Zuhörer bleiben draussen im Freien. Die Sache wurde immer kurioser! Tatsächlich war dann am Sonntag, 5. August 2001, schönes Wetter, und so fuhr ich mit ein paar Orgelkollegen dorthin.
Meggerhorn lautet die Adresse. Parken muss man vor dem Eingangstor zum Schlosspark. Der fast 10-minütige Spaziergang durch den einmalig schön angelegten Prachtpark führt zum Schloss Meggerhorn, wo nebenan eine kleine neugotische Kapelle steht. Tatsächlich befindet sich darin im doppelten Sockelgeschoss eine Welte Philharmonieorgel, welche 1927 eingebaut wurde; ein kleines Prunkstück, 8 Register mit etwa 500 Pfeifen. Die Räumlichkeiten der beiden Orgelkammern sind grösser als die Kapelle selbst, wo neben dem Organist nicht mehr als etwa 10 Personen Platz haben. Die Schwellklappen der Pfeifenkammern sind zur Terrasse gerichtet, von welcher man eine atemberaubende Aussicht auf den Vierwaldstättersee geniesst.
Ein weiteres Kuriosum war das Konzert selbst. Man sitzt also auf der Terrasse an Tischen und kann Kaffee und Kuchen konsumieren. Serviert wird von sympathischen Schlossdamen in historischen Kostümen - eine unbeschreibliche Atmosphäre. Die erste halbe Stunde ertönten Orgelklänge ab Walze. Dann gab Wolfgang Sieber, Organist der bekannten Hofkirche in Luzern, ein Konzert unter dem Motto „Auf dem Weg der Innerschweiz“ mit alten Tänzen, Volks- und Wanderliedern rund um die Kantone Luzern, Schwyz, Obwalden und Unterwalden. Man sitzt also gemütlich unter Sonnenschirmen und lauscht den Orgelklängen. Den Organisten, der an der Konsole in der Kapelle spielt, sieht man nur sehr sporadisch, wenn er auf der Terrasse erscheint und sein Programm erklärt. Das Konzert war gut besucht; etwa 100 Gäste befanden auf der Terrasse und lauschten den Klängen - kurzum: ein gelungener Sonntag mit einer besonderen Kuriosität als neue, zusätzliche Erfahrung.