REPORTAGE 050

 
 

Diesmal stand am frühen Morgen nicht unser Freund John Ledwon vor dem Hotel in Hollywood. Um uns abzuholen, organisierte John einen Orgelfreund in der Nähe unseres Hotels, welcher schon seit einiger Zeit selbst die Morton Orgel des Arlington Theaters hören wollte und sich freute, dabei sein zu können. John wohnt nämlich ungefähr in der Mitte des Weges von Hollywood nach Santa Barbara, und so war er froh, die Strecke nicht zweimal zurücklegen zu müssen, um so mehr, als diese Woche auch für ihn recht anstrengend war.

Theaterorgeln in den USA (6)

Über die Fahrt von Hollywood nach Santa Barbara gibt es nicht viel zu erzählen - verstopfte Autobahnen und nochmals verstopfte Autobahnen. Hingegen von Santa Barbara selbst gibt es einiges zu erzählen: eine sehr gepflegte, schmucke Stadt direkt am Meer mit meilenlangen, wunderschönen Sandstränden. Dazu der obligate ins Meer hinausre ichende ãPierÒ mit vielen hübschen Boutiquen und etlichen Verpfle-gungsmöglichkeiten mit natürlich hauptsächlich ãSea FoodÒ. Auch im Zentrum - oder ãDown TownÒ wie es die Amerikaner nennen - gibt es viele hochstehende Geschäfte von bekannten ãBrand NamesÒ. Die Umgebung ist voll von Prachtvillen; das ganze strotzt vor Reichtum.

Die 4/27 Morton im Arlington Theater Das im andalusischen Stil gebaute Arlington Theater mit seinen 2000 Sitzplätzen ist mitten in der Stadt. Der Name des Theaters stammt von einem Hotel, welches an diesem Platz stand und 1925 von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Auch die ganze Innendekoration ist komplett spanisch. Wenn die Lichter ausgehen glaubt man sich auf einer Plaza irgendwo in Spanien, denn die dunkel gehaltene Decke ist ganz übersät mit Glitzersternen und an den Seitenwänden sind Veranden angebracht. Tatsächlich hat es unter diesem ãPlaza-EffektÒ schon Leute gegeben, welche fragten, was sie denn tun würden, wenn es einmal regnet!

Nun zur Orgel, die 4/27 Morton: Sie wird ãWonderÒ Morton genannt, genauso wie Wurlitzers ãMightyÒ und Bartons ãGrandeÒ genannt werden. Wenn man das Bild der Konsole betrachtet, könnte man glauben, der Titel ãWonderÒ wäre der Ausschmückung der Konsole gewidmet, aber dem ist nicht so. Der Zusatz ãWonderÒ gehört der Orgel. Die Konsole ist nur so ausgeschmückt, damit sie zum spanischen Stil des Theaters passt - vielleicht etwas kitschig, aber hier stört es nicht. Und John, welcher sich anschließend an die Orgel setzte, hat das auch nicht gestört. Er hat sich total auf den Klang dieser Wonder-Orgel konzentriert und uns ein absolutes Wonder-Konzert gegeben. Ob ãMightyÒ, ãGrandeÒ oder sogar ãWonderÒ, John findet sich immer sofort zurecht und setzt die schönsten Registraturen zum Träumen zusammen.

Open Console Fast hinter jeder Theaterorgel steht eine längere Geschichte. Diese Orgel zum Beispiel war original im Loews Theater in Jersey City, NJ, eingebaut. Anfang der 70er Jahre wurde sie ausgebaut und nach Dallas gebracht, wo sie aber dann 12 Jahre ein Lagerhaus-Leben fristetet. Erst 1986 kamen die 7000 Teile dieser Orgel nach Santa Barbara und mussten erst einer kompletten Restaurierung unterzogen werden. Die Orgel wird gut gepflegt, sie wird auch oft gespielt. Im Prinzip gibt es dort Orgelmusik vor jeder Vorstellung. Auch finden während des Jahres etliche Konzerte statt. Und was ganz enorm ist, an einem Samstag im Monat findet eine ãOpen ConsoleÒ statt, das heißt, jeder, der interessiert ist, kann vorbeigehen und die Orgel spielen und auch die Orgelkammern besichtigen. Leider gibt es nur eine einzige CD-Aufnahme von dieser Orgel. Der Titel ist ãRenaissanceÒ und wird von Scott Foppiano gespielt.