Am zweiten Tag unserer Erkundungstour durch die holländische Theaterorgelszene trafen wir uns schon relativ früh zum Frühstück. Unser Freund aus Kalifornien, John Ledwon, merkte an, dass er wie ein Stein geschlafen hätte
aber eigentlich ging es uns allen so. Damit waren wir dann aber auch wieder fit für die nächsten Leckerbissen. Unser Ziel war Middelburg.
Auf dem Weg wollten wir von Jack Raves erfahren, wie es so um die holländische Orgelszene steht. Wir waren nicht schlecht erstaunt, was er da so zu erzählen hatte. Kurzum, Holland hat noch eine Orgelszene, welche diesen Namen voll verdient. Da gibt es einmal die POK Promotion for Organ & Keyboard, die Dachorganisation der etwa ein Dutzend lokalen Orgelclubs, welche sich mit der elektronischen Orgel befassen. Diese wurde zwar erst 1996 gegründet, die diversen Orgelclubs bestehen aber teilweise schon sei etwa 40 Jahren. Die POK organisiert einmal jährlich in Zusammenarbeit mit den Herstellern und Importeuren eine Präsentation der neuesten Orgeln und Keyboards. Dabei wird seit einiger Zeit auch ein spezielles Konzert organisiert, das Clubmitglieder zu verbilligten Eintrittspreisen besuchen können. Wer mehr über die POK erfahren möchte, kann sich im Internet unter www.orgel-keyboardclubs.nl informieren.
Daneben gibt es die NOF Nederlandse Orgel Federatie, welche die Theaterorgel Szene betreut. Und man staune: die NOF zählt in Holland immerhin 543 zahlende Mitglieder! Die Anfänge der NOF sind im Amsterdamer Tuschinski Theater zu suchen. Gegründet wurde sie im Jahre 1970 von ein paar Fans der Tuschinski Orgel. Hut ab, was die inzwischen so geschafft haben. So haben sie einige Theaterorgeln vor dem Bulldozer gerettet und sind zuständig für die Pflege der noch spielbaren Orgeln. Es stehen immerhin noch 15 Theaterorgeln in Holland. Und jedes Jahr finden mehrere Konzerte mit namhaften Künstlern aus USA, Australien und England statt, wobei die NOF pro Konzert mit 50 bis 250 Besuchern rechnen kann. Wir wussten natürlich, dass Holland ein traditionelles Orgelland ist, aber dass die Theaterorgel noch so stark vertreten ist, war dann doch eine Überraschung. Im Internet ist die NOF auch vertreten: http://www.xs4all.nl/~janhuls/
Wo wir auch hinkamen, wir trafen überall sehr engagierte Leute, welche aus Liebe zur Theaterorgel ihre ganze Freizeit einsetzen. Dabei sind sie nicht müde, sondern sehr stolz auf das, was sie tun und was sie erreicht haben. Jack Raves, unser Begleiter ist übrigens Vizepräsident der NOF und ist verantwortlich für die Redaktion der NOF-Zeitung welche sechsmal im Jahr erscheint. Titelseite der Ausgabe zur Zeit unserer Reise: John Ledwon's Holland Besuch!
Compton in Middelburg Auf dem Weg nach Middelburg wollte uns Jack die St. Agata & Barbara Basilika von Oudenbosch zeigen. Sie ist nämlich eine verkleinerte, aber trotzdem perfekte Kopie der St. Peters Basilika in Rom, ein Prunkstück, welches wir gerne von innen gesehen hätten, aber leider fand bei unserer Vorbeifahrt gerade eine Beerdigungszeremonie statt.
In Middelburg selbst steht im Concert & Gehoorzaal eine 3/11 Compton mit der Opus Nr. A-267. Vormals war diese im Jahre 1936 gebaute Orgel im Majestic Theater in Rochester/Kent, England, installiert. Seit 1982 steht diese Compton nun auf der Bühne der Konzerthalle von Middelburg und wird regelmässig für Konzerte gebraucht. Hier kam nun unser mitreisender Gast Bob Leys so richtig zum Zug, denn auf einer Compton fühlt er sich total zu Hause. Bob gibt übrigens in England auch Konzerte. Er ist ein sehr talentierter Spieler. An seinem Minikonzert hatten alle viel Freude.
In Middelburg gibt es als lokale Organisation noch die Zeeuwse Theater Orgel Stichting (ZTOS). Die Betreuer arbeiten dabei sehr stark mit der NOF zusammen, vor allem wenn es sich um Organisation von Konzerten handelt. Und unser Besuch in Middelburg passte eigentlich perfekt in den Reiseablauf, da abends ein Konzert mit dem jungen englischen Organist Matthew Bason stattfinden sollte.