Nach dem Besuch bei Thomas Richter und seiner 3/11 Compton in Neu-Isenburg war die nächste Station die Orgelbaufirma Laukhuff in Weikersheim. Auf all meinen Reisen hat dieser Besuch einen ganz besonderen Eindruck hinterlassen, denn da gab es keine Bühnenatmosphäre, wie man dies meist von einer Theaterorgel gewohnt ist, und schon gar keinen Pomp, sondern ganz einfach schlichte Berufsatmosphäre. Denn Laukhuff ist Orgelbauer und hauptsächlich Lieferant von Orgelteilen an die Orgelbauindustrie. Laukhuff zählt dabei zu den weltweit größten Anbietern und wie ich so hörte, ist seine ausgezeichnete Qualität auf der ganzen Welt bekannt.
Es gibt nichts an einer Orgel, was Laukhuff nicht selbst produziert. Mit seiner 200-köpfigen Belegschaft (auch Lehrlingsausbildung) fertigt das Unternehmen alles, was zu einer Orgel gehört: vom Spezial-Gebläse, Pfeifen-Zungenstimmen, Windladen, Magnete und viele andere Kleinteile wie auch Klaviaturen für Orgeln sowie Klaviere und Flügeln (Lieferant von Bösendorfer, Bechstein, Blüthner usw.) Allein Orgelgebläse werden etwa 2000 Stück pro Jahr produziert. Bekannt ist, dass es sich um die leisesten Gebläse auf dem Markt handelt.
Traditionsunternehmen Jede Sparte hat eigene Werkstätten, welche über das riesige Areal verteilt sind. Der Fabrikbetrieb ist so enorm groß, so dass es einige Tage braucht, sich zurecht zu finden. Da gibt es eine Unmenge von Maschinen zu bestaunen, denn für jedes Teil das fabriziert wird, gibt es eine passende Maschine. Hans-Erich Laukhuff hat sich die Mühe genommen, uns durch alle seine Betriebsstätten zu führen und zu kommentieren. Bewundernswert war auch die einmalige Ordnung, welche in diesem Betrieb herrscht. Man hat auf Schritt und Tritt das Gefühl, dass hier eine eiserne Hand alles gut im Griff hat.
Die Orgelbaufirma Laukhuff besteht schon seit 1823. Hans-Erich Laukhuff, unser Gesprächspartner, ist die 5te Generation. Das Firmengeschehen liest sich wie ein interessantes Buch: der Anfang, die Zeiten der Hungersnot in diesem Gebiet, die diversen Kriege sowie die Kriegsproduktion, schlechte Zeiten, wachsende Inflation, der 7. April 1945 wo durch Kriegseinwirkung die ganze Fabrik bis auf die Grundmauern nieder brannte und schließlich der Neuanfang.
Möller 3/18 Irgendwann packte auch Hans-Erich Laukhuff der ominöse Theaterorgel-Virus. Anlässlich einer ATOS Convention in Los Angeles hörte er den legendären Georges Wright spielen und schon begann die Suche nach so einem Instrument. In Südafrika war von einer Privatperson eine zu haben; eine Möller 3/13. Es dauerte nicht lange, da stand die Orgel im Hause Laukhuff; das war im Jahre 1988. Es bestanden auch 50 Rollen welche über einen integrierten Rollplayer abgespielt werden können. Nachträglich wurde noch eine Piano dazugekoppelt, sowie Marimba und Glockenspiel angehängt. Mit Sven Wortmanns Know-how wurde die Orgel intoniert und im Sound der gegebenen Lokalität angepasst. Seither finden ab und zu Konzerte mit namhaften Spielern statt. Im Werkstattlokal, wo die Orgel steht, können 200-300 Sitze aufgestellt werden und diese sind oft bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder, denn diese Möller hat einen einmaligen, warmen Sound. Zum Abschluss gab uns John Ledwon noch ein Minikonzert. Auch er war vom Klang dieser Möller Orgel total begeistert.
Erwähnenswert ist sicher noch der originelle CD Ständer aus Orgelpfeifen (rechts), welcher auch von Laukhuff produziert wird. Ein Schmuckstück für Orgelfans und CD Freaks. Bestellbar direkt bei Laukhuff, Potfach 1133, D-97990 Weikersheim, Fax (D) 07934 91610.