Diese Compton stand schon einmal in einem Compton House. Mit dem großen Kinosterben verschwand auch das mit 2540 Sitzplätzen ausgestattete Regal Cinema von Putney, einem Vorort von London, wo die Compton 1937 in Betrieb genommen wurde. Glücklicherweise konnte die 3/6 Compton Orgel von einem englischen Privatmann erworben werden. Er ließ sie vollständig überholen, baute noch das Register Vox Humana ein und installierte das Instrument in seinem Landsitz in Nordengland, den er prompt Compton House nannte.
Zusammen mit Hans Volmerg (Hamm) organisiert Ralf Krampen für Theaterorgelfreaks ein paar Konzerte im Jahr. Ralf Krampen ist einer der wenigen privaten Theaterorgel-Besitzer, welcher sich bei unserem Besuch spontan selbst an die Konsole setzte und uns ein paar schöne Stücke vorspielte. Es ist verständli-cherweise nicht leicht vor einem Profi wie John Ledwon zu spielen; um so mehr haben wir Ralfs Initiative sehr geschätzt.
ABC Orgelstudio Unser nächster Besuch galt der Stadt Hamm in Westfalen. Hier erwarteten uns zur Abwechslung einmal keine Pfeifenorgel sondern elektronische Theaterorgeln. ABC Orgel Studio heisst das schmucke Haus von Hans Volmerg in Hamm. Es muss wohl die größte Theaterorgelkollektion in einem Privathaus sein, die ich je angetroffen habe. Da gibt es fast alle Theaterorgel-Marken, welche je gebaut wurden: Allen, Rodgers, Conn, Baldwin, Gulbransen, Wurlitzer, Thomas, Lowrey und Hammond. Insgesamt sind es 13 Orgeln und alle spielbar! Im Jahr finden dort zwei bis drei Clubkonzerte statt. Erstaunlicherweise kommen zu solchen Konzerten aber weniger diejenigen, die selbst Orgel spielen, sondern meist solche, die ganz einfach den besonderen und einmaligen Sound der Theaterorgel mögen.
Wann hat aber dieser sonderliche Virus, von dem wir immer reden, den Hans Vollmerg erwischt? Es waren die Sendungen (nach dem 2. Weltkrieg) mit der Welte Rundfunkorgel in Hamburg, gespielt von Gerhard Gregor und Horst Schimmelpfennig. Er war total fasziniert und bald kam die erste Orgel ins Haus Vollmerg: eine kleine Wurlitzer. Obwohl sehr zufrieden mit dieser Orgel fand er doch viel Interesse an der Klangverschiedenheit anderer Fabrikate und konnte es nicht lassen, nach und nach auch noch diese und jene in sein Haus zu bringen.
Hans Volmerg sammelt aber nicht nur Theaterorgeln, sondern so alles was mit diesen Instrumenten zu tun hat. In seiner Kollektion gibt es einige Raritätenbilder von Theaterorgeln. Die Wände sind voll von Fotografien von namhaften Theaterorgel-Virtuosen - die meisten davon haben auch schon im Hause Volmerg gespielt.
2/6 Wurlitzer in Münster Weiter ging es am selben Tag noch nach Münster zur Orgelbaufirma Fleiter. Dort steht im Atelier des Orgelbauers eine 2/6 Wurlitzer, Model „Style D“. Die „Style D“ Wurlitzer ist heute eine Rarität geworden. Berühmt ist sie noch immer wegen ihrer herrlichen Klangzusammenstellung mit 6 optimalen Registern.
Dieses Instrument wurde seinerzeit für ein Restaurant in Hollywood gebaut. Später kam die Orgel in Privatbesitz zu Dr. Stocker in San Bernardino, Kalifornien, wo sie bis 1995 stand. Dr. Stocker ist während dieser Zeit dreimal umgezogen, hat aber die Orgel jedes Mal mitgenommen. Dann erwarb sie Friedhelm Fleiter und brachte sie nach Münster. Obwohl diese Wurlitzer nur mit 6 Ranks ausgestattet ist, bringt sie ein unwahrscheinliches Volumen hervor und hat einen außerordentlich vollen Klang. John Ledwon war sehr gespannt auf diesen Besuch, denn die so genannte „Dr. Stocker Orgel“ hatte er selbst verschiedentlich in Amerika gespielt. Er sagte, er wäre jedes mal wieder überrascht gewesen von den Qualitäten dieser besonderen Orgel. Tatsächlich hat sie lt. John Ledwon nichts eingebüßt und er war außerordentlich erfreut, dass dieses feine Instrument eine neue Bleibe gefunden hat, wo sie auch bestimmt in guter Pflege ist.