REPORTAGE 069

 

 

Theaterorgeln in Tokio

Japans Hauptstadt Tokio besitzt eine der ungewöhnlichsten Pfeifenorgeln der Welt.  Genau genommen sind es zwei Orgeln in einer Orgel. Sie nutzen nämlich einiges gemeinsam. Das Instrument wurde von der französischen Orgelbaufirma „Marc Garnier“ in Elsass hergestellt. Gebaut wurde es 1991 für das „Tokioter Metropolitan Art Space“. Das gewaltige Gebäude beherbergt drei Auditorien. Die Orgel mit den zwei Gesichtern befindet sich auf der dritten Ebene. Das Auditorium ist im zeitgenössischen modernen Stil entworfen und wird in erster Linie als Konzerthalle genutzt. Dieser Zuhörerraum verfügt über 1999 Sitzplätze, eine Größenordnung, die man sicher schon als Dimension für größere Konzerthallen ansehen kann.

Die „Disney Hall“ in Los Angeles (siehe Bericht im OKEY 67) lehnt sich stark an das genannte Konzept an.

Nun aber zur Orgel. Die Gesamtorgel besteht tatsächlich aus zwei Gehäusen, eines im barocken und eines im modernen Stil. Jede Orgel ist für sich ein vollständiges Instrument und besitzt ihren eigenen Spieltisch. Interessant daran ist, dass die klassische Orgel drei Manuale besitzt, während es beim modernen Instrument fünf Manuale sind. Bei letzterem sind die oberen Manuale verkürzt, um die Orgel leichter spielbar zu machen. Damit die zwei verschiedenen Orgeln abwechselnd gespielt werden können, konstruierte der Erbauer drei elektrisch arbeitende Drehscheiben welche die Orgelteile gleichzeitig um 180 Grad drehen, um jeweils das eine oder andere Instrument zu zeigen. Für den vollständigen Übergang werden knapp drei Minuten benötigt. Die miteinander verbundenen, aber vollständig unabhängigen Instrumente enthalten 122 Pfeifenreihen (Ranks) und verwenden einige Pfeifen der 16' und 32' Tonlagen im Pedal gemeinsam.

Arbeiter waren gerade damit beschäftigt das Ton- und Abstrahlsystem des Hauses instand zu setzen und so hatte ich keine Gelegenheit die Orgel zu spielen und zu hören. Aber allein sie zu sehen, war bereits ein Erlebnis. Ich kenne weltweit keine andere Orgel, die auf drei elektrischen Drehscheiben rotiert und im Grunde zwei Instrumente an einem Standort vereint. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hat es in den USA verschiedene Pfeifenorgelanlagen gegeben, die sowohl Stimmen der Theaterorgel wie auch der klassischen Orgel in demselben Instrument vereinten, diese wurden unter dem Namen „Konzert-Orgel“ bekannt. Sie waren tatsächlich eine Mischung aus Theaterorgel-“ Ranks“ und klassischen „Ranks“ und klangen zum größten Teil wirklich großartig. Aber sie erreichten nicht, was dieses Instrument vollbringt, nämlich hauptsächlich zwei vollständig unabhängige Orgeln zu sein, die denselben Raum teilen, aber jeweils ihre eigene Fassade und Konsole haben. Ein einzigartiges Instrument in einem herrlichen Raum. - Die Bilder lassen das Einzigartige dieser Orgel mit zwei Gesichtern besser verstehen.

Eine weitere interessante Pfeifenorgel in Tokio befindet sich im Mitsukoshi Warenhaus. Früher einmal war dieses Warenhaus das größte der Welt. Die Orgel ist eine Wurlitzer Hausorgel und besitzt 3 Manuale und 14 „Ranks“. Im Lichthof des Warenhauses mit fünf Etagen aufgestellt, ist die Anlage höchst beeindruckend.

Mein Orgelfreund aus den USA, John Ledwon, unternahm eine Reise nach Japan. Neben dem Interesse das Land anzusehen, wollte er natürlich auch wissen, was es dort für Orgeln gibt. Dabei stieß er auf eine recht außergewöhnliche Orgel; nennen wir sie die Orgel mit den zwei Gesichtern. Als John mir davon erzählte, bat ich ihn mir einen kleinen Bericht zu schreiben, von dem ich glaube, dass er sicher auch bei den OKEY- Lesern Interesse finden dürfte.

Back

Next